1)
Die Wahrheit über die
Wahl
Ich habe mich für Burger King entschieden.
Eine poetische Entscheidung stellt man nie in
Frage.
Die Wünsche vergehen wie die Tage, wie das Leben,
das nicht kommt
Wie die Gleichgültigkeit die Einsamkeit austrocknet
Wie der Kopf einer Königin von dem Gewicht der
Krone erdrückt wird.
Einzig die Wahrheit verschlingt die Dichter
Solange der fette Hamburger ihres gestillten
Hungers in ihre Hände passt.
Mumie der Tatsache. Mumie der Wahl.
Wer seinen Ursprung in dem Versiegen aller Quellen
hat
In der endlosen Fabrik der auf den Grill geworfenen
Sachen
Welchen Hut soll man der Willkür aufsetzen?
Ich habe mich für Burger King entschieden.
Ich, der ich diese ewige Haube
aus spitzen Fleischbergen nicht tragen möchte
ewig wie ein aufgeklapptes belegtes Brötchen.
Und wenn ich
unter meiner Station, warum überirdisch, hindurchgehe? meinem metallischen
Kopfschmerz
weiß ich, dass die Wahl das einzige Nichts ist, das
mich schützt
Leichtes, leichtes, leichtes Erheben.
Oh! Volles Ja meiner Bleibe
Mein Ja!
2)
Das große Spielzeug
Das Spielzeug hat eine Verpackung, die auch ein
Spielzeug ist
Wenn die Verpackung ein Spielzeug ist, was verpackt
ein Spielzeug?
Ist die Verpackung einer Frucht eine Frucht?
Und wie viel mehr Frucht ist die Verpackung im
Vergleich zur Frucht?
Die Verpackung ist im Spielzeug Alles wird
Spielzeug
Und dadurch ist alles Verpackung Die Verpackung der
Frucht
wird von der Frucht verpackt, die überall
herauswächst
Wie das Spielzeug aus der Verpackung
herausschwitzt.
Ein Spielzeug stirbt nicht mit dem Tod der Kinder
Aber der Tod ist das Skelett, das alles Spielzeug
verpackt
Wie die russischen Puppen, die einander
verschlingen
Starres Spielzeug in Gelb Grün Blau Massig ohne
Rand
Im niedergetretenen Stück war der Reiz und das Leben
SCHÄLEN SIE WEITER DIE VERFAULTE FRUCHT IHRER
EINGEWEIDE
3)
näher menschlicher
hässlicher weiter
näher hässlicher
weiter menschlicher
hässlicher menschlicher
näher weiter
menschlicher hässlicher
weiter näher
weiter menschlicher
näher hässlicher
4)
HEINEKEN
NEIN
5)
Anmerkung
Dies sind keine aufeinanderfolgenden
Pflastersteine, es sind vereinzelte Blöcke eines kritischen virtuellen und
bunten Kabinetts, die in den Raum der internationalen Kunst und der
ausgewiesenen Flächen geworfen wurden. Ecken der Leichtigkeit an einem
prestigeträchtigen Ort, die sich der Architektur der Empfangshalle nur mit
Vorbehalt und eingeschränkt angliedern und deren Spur vorgibt, die Besucher,
denen die Kunst nur bis zum Gürtel reicht, einzuschließen. Diese nehmen nun
eine durch diese Pflastersteine der unregelmäßen Kritik gebrochene Demütigung
hin, eine Demütigung, die der Selbstgefälligkeit der gesamten, räumlich intakt
gelassenen Halle entspricht.
6)
(Werbung)
Heute trank ich einen Kaffee
in einem Café und eine Frau sagt zu mir Ich habe mich in Tunesien
verliebt, als ich mit dem Mann, der mein Ehemann werden sollte, einen Kaffee trank Ich trank einen Kaffee au Lait. Ich sah den
Mann, der gerade eintrat, er sah mich. In diesem Moment habe ich meinen Kaffee
stehen lassen, bin aufgestanden, um ihn zu begrüßen, und er sagt zu mir:
Gestern habe ich einen Kaffee getrunken,
ich hebe die Augen, ich sehe „Chablis“ geschrieben, ich nahm einen Chablis,
reiner Zufall. | Bier | warme Getränke | kalte Getränke | Ich hatte die
Gewohnheit, an der Cour de Rome anzuhalten, wo ich einen Kaffee Crème trank
und dabei die ankommenden Züge beobachtete und das unerwartete Schauspiel, das
mir die Passagiere bieten, genoss Ich trinke ein Vittel, obwohl ich gestern einen Kaffee getrunken habe (inwiefern
verändert es den Platz?) hat er sich verändert? Frei wählen zu können, das
macht den Unterschied, und er fuhr fort: Letzten Samstag habe ich in einem
Lausanner Bistro einen Kaffee getrunken,
und mir wurde klar, dass ich voller Erinnerungen war, beispielsweise, als die
Intifada begann, habe ich mit Freunden einen
Kaffee getrunken, als ein betrunkener Typ reinkam und mich vollgekotzt hat
Ich habe es nicht gleich gesehen, während ich für einen sonnigen Morgen einen dünnen Kaffee getrunken habe Ich würde dieses Foto gerne sehen, wenn du es
wieder findest … ich habe mit Mademoiselle G. einen Kaffee getrunken ich habe nur an ihre Augen gedacht. Zweiter
Gruß des Murmeltiers, ich trank einen
Kaffee und konnte den Hörer nicht abnehmen. Dann lass ich auf mich warten.
Jeanne Moreau hat das einmal zu einem Freund gesagt Ich trank einen Kaffee, um mich aufzuwärmen. Ich glaube, dass ein
einziges Mal ein Mädchen meine Latexstrümpfe „erraten“ hat, während ich einen Kaffee trank. Sie hat mich lange
beobachtet, es war mir auch etwas unangenehm und und und ich schreibe das aus
reinem Sektierertum, weil es da unten -13 Grad haben muss und weil ich hier
gestern noch auf der ungeheizten Terrasse mit Jean-Marc einen Kaffee getrunken habe, mir ist eine unglaubliche Geschichte
passiert, ich trank einen Kaffee JB,
als Vincent Labaume, ein völlig betrunkener Kollege, mich vollkotzt, anmerkt,
ich kaue einen Kaugummi nach dem anderen, aber ich trank einen Kaffee und rauchte meine Kippe wie die anderen … und
ich hatte nicht EINEN Gedanken Ich trank
einen Kaffee und blätterte in einem Ausstellungskatalog, als einen
weibliche Stimme mich fragte, ob ein Platz frei wäre. Ich hob den Kopf und
wurde gestern rot, ich trank einen
gemütlichen Kaffee à el manar mit
zwei Kumpels, als 2 Mädchen manahkilikcki izzouz tchidhom wou torfrokhom Als
ich einen Kaffee mit den Jungs trank, sprach ich über den Lastwagen,
Hockey und Konten. Heute habe ich mit einer Freundin einen Kaffee getrunken, mein Atem roch nach Kaffee (und nach nichts
anderem, hoffe ich), aber ihrer, NICHTS, nach gar nichts Ich vergaß, dass du
meine Partnerin warst, auch wenn ich dich nicht ganz gesehen habe, während ich
im Café einen Kaffee trank, blau,
weil ich fast platzte vor Lachen trank
ich einen ausgezeichneten Kaffee im Café Madeleine, 1, rue Tronchet 75008
Paris.
1) Auszug aus Nos beaux Géraniums, Éditions
Azimut, 1988
2) Auszug aus Le Grand Secret des provocateurs
de longue agonie, 2001
3) Faltblatt für die Ausstellung La
Ballade des Pendus, 2003
4) Spruch für die Ausstellung Après la fin de
l’art – 1945-2003).
5)
Auszug aus „Dix-huit tirs à blanc“ für Mudam-magazine, 2000
6) Werbung für das Café Madeleine in Zéro Deux,
n°37, 2006