Vincent LABAUME  
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  Vanité
2005 - 40 x 40 cm - photographie
coutresy of Galerie Loevenbruck
   
       
   

1)

 

Die Wahrheit über die Wahl

 

Ich habe mich für Burger King entschieden.

Eine poetische Entscheidung stellt man nie in Frage.

Die Wünsche vergehen wie die Tage, wie das Leben, das nicht kommt

Wie die Gleichgültigkeit die Einsamkeit austrocknet

Wie der Kopf einer Königin von dem Gewicht der Krone erdrückt wird.

Einzig die Wahrheit verschlingt die Dichter

Solange der fette Hamburger ihres gestillten Hungers in ihre Hände passt.

 

Mumie der Tatsache. Mumie der Wahl.

Wer seinen Ursprung in dem Versiegen aller Quellen hat

In der endlosen Fabrik der auf den Grill geworfenen Sachen

Welchen Hut soll man der Willkür aufsetzen?

 

Ich habe mich für Burger King entschieden.

Ich, der ich diese ewige Haube

aus spitzen Fleischbergen nicht tragen möchte

ewig wie ein aufgeklapptes belegtes Brötchen.

Und wenn ich unter meiner Station, warum überirdisch, hindurchgehe? meinem metallischen Kopfschmerz

weiß ich, dass die Wahl das einzige Nichts ist, das mich schützt

Leichtes, leichtes, leichtes Erheben.

 

Oh! Volles Ja meiner Bleibe

Mein Ja!

 

 

2)

 

Das große Spielzeug

 

Das Spielzeug hat eine Verpackung, die auch ein Spielzeug ist

Wenn die Verpackung ein Spielzeug ist, was verpackt ein Spielzeug?

Ist die Verpackung einer Frucht eine Frucht?

Und wie viel mehr Frucht ist die Verpackung im Vergleich zur Frucht?

 

Die Verpackung ist im Spielzeug Alles wird Spielzeug

Und dadurch ist alles Verpackung Die Verpackung der Frucht

wird von der Frucht verpackt, die überall herauswächst

Wie das Spielzeug aus der Verpackung herausschwitzt.

 

Ein Spielzeug stirbt nicht mit dem Tod der Kinder

Aber der Tod ist das Skelett, das alles Spielzeug verpackt

Wie die russischen Puppen, die einander verschlingen

 

Starres Spielzeug in Gelb Grün Blau Massig ohne Rand

Im niedergetretenen Stück war der Reiz und das Leben

SCHÄLEN SIE WEITER DIE VERFAULTE FRUCHT IHRER EINGEWEIDE

 

 

3)

 

näher menschlicher

hässlicher weiter

 

näher hässlicher

weiter menschlicher

 

hässlicher menschlicher

näher weiter

 

menschlicher hässlicher

weiter näher

 

weiter menschlicher

näher hässlicher

 

 

4)

 

HEINEKEN

 

NEIN

 

 

5)

 

Anmerkung

 

Dies sind keine aufeinanderfolgenden Pflastersteine, es sind vereinzelte Blöcke eines kritischen virtuellen und bunten Kabinetts, die in den Raum der internationalen Kunst und der ausgewiesenen Flächen geworfen wurden. Ecken der Leichtigkeit an einem prestigeträchtigen Ort, die sich der Architektur der Empfangshalle nur mit Vorbehalt und eingeschränkt angliedern und deren Spur vorgibt, die Besucher, denen die Kunst nur bis zum Gürtel reicht, einzuschließen. Diese nehmen nun eine durch diese Pflastersteine der unregelmäßen Kritik gebrochene Demütigung hin, eine Demütigung, die der Selbstgefälligkeit der gesamten, räumlich intakt gelassenen Halle entspricht.

 

 

6)

 

(Werbung)

 

Heute trank ich einen Kaffee in einem Café und eine Frau sagt zu mir Ich habe mich in Tunesien verliebt, als ich mit dem Mann, der mein Ehemann werden sollte, einen Kaffee trank Ich trank einen Kaffee au Lait. Ich sah den Mann, der gerade eintrat, er sah mich. In diesem Moment habe ich meinen Kaffee stehen lassen, bin aufgestanden, um ihn zu begrüßen, und er sagt zu mir: Gestern habe ich einen Kaffee getrunken, ich hebe die Augen, ich sehe „Chablis“ geschrieben, ich nahm einen Chablis, reiner Zufall. | Bier | warme Getränke | kalte Getränke | Ich hatte die Gewohnheit, an der Cour de Rome anzuhalten, wo ich einen Kaffee Crème trank und dabei die ankommenden Züge beobachtete und das unerwartete Schauspiel, das mir die Passagiere bieten, genoss Ich trinke ein Vittel, obwohl ich gestern einen Kaffee getrunken habe (inwiefern verändert es den Platz?) hat er sich verändert? Frei wählen zu können, das macht den Unterschied, und er fuhr fort: Letzten Samstag habe ich in einem Lausanner Bistro einen Kaffee getrunken, und mir wurde klar, dass ich voller Erinnerungen war, beispielsweise, als die Intifada begann, habe ich mit Freunden einen Kaffee getrunken, als ein betrunkener Typ reinkam und mich vollgekotzt hat Ich habe es nicht gleich gesehen, während ich für einen sonnigen Morgen einen dünnen Kaffee getrunken habe Ich würde dieses Foto gerne sehen, wenn du es wieder findest … ich habe mit Mademoiselle G. einen Kaffee getrunken ich habe nur an ihre Augen gedacht. Zweiter Gruß des Murmeltiers, ich trank einen Kaffee und konnte den Hörer nicht abnehmen. Dann lass ich auf mich warten. Jeanne Moreau hat das einmal zu einem Freund gesagt Ich trank einen Kaffee, um mich aufzuwärmen. Ich glaube, dass ein einziges Mal ein Mädchen meine Latexstrümpfe „erraten“ hat, während ich einen Kaffee trank. Sie hat mich lange beobachtet, es war mir auch etwas unangenehm und und und ich schreibe das aus reinem Sektierertum, weil es da unten -13 Grad haben muss und weil ich hier gestern noch auf der ungeheizten Terrasse mit Jean-Marc einen Kaffee getrunken habe, mir ist eine unglaubliche Geschichte passiert, ich trank einen Kaffee JB, als Vincent Labaume, ein völlig betrunkener Kollege, mich vollkotzt, anmerkt, ich kaue einen Kaugummi nach dem anderen, aber ich trank einen Kaffee und rauchte meine Kippe wie die anderen … und ich hatte nicht EINEN Gedanken Ich trank einen Kaffee und blätterte in einem Ausstellungskatalog, als einen weibliche Stimme mich fragte, ob ein Platz frei wäre. Ich hob den Kopf und wurde gestern rot, ich trank einen gemütlichen Kaffee à el manar mit zwei Kumpels, als 2 Mädchen manahkilikcki izzouz tchidhom wou torfrokhom Als ich einen Kaffee mit den Jungs trank, sprach ich über den Lastwagen, Hockey und Konten. Heute habe ich mit einer Freundin einen Kaffee getrunken, mein Atem roch nach Kaffee (und nach nichts anderem, hoffe ich), aber ihrer, NICHTS, nach gar nichts Ich vergaß, dass du meine Partnerin warst, auch wenn ich dich nicht ganz gesehen habe, während ich im Café einen Kaffee trank, blau, weil ich fast platzte vor Lachen trank ich einen ausgezeichneten Kaffee im Café Madeleine, 1, rue Tronchet 75008 Paris.

 

1) Auszug aus Nos beaux Géraniums, Éditions Azimut, 1988

2) Auszug aus Le Grand Secret des provocateurs de longue agonie, 2001

3) Faltblatt für die Ausstellung La Ballade des Pendus, 2003

4) Spruch für die Ausstellung Après la fin de l’art – 1945-2003).

5) Auszug aus „Dix-huit tirs à blanc“ für Mudam-magazine, 2000

6) Werbung für das Café Madeleine in Zéro Deux, n°37, 2006