Katia BOURDAREL  
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  L'Inaccessible
2006 - 60 x 50 x 50 - maquette en bois et miroir + vidéo
Courtesy Galerie La B.A.N.K
   
       
   

Auf einem Ast sitzend, gut versteckt im großen Feigenbaum im Garten, betrachtete ich mein Leben von oben. Ich schaute meiner Mutter zu, wie sie aus dem Haus und wieder hinein ging und sich mit Sachen beschäftigte, die mir als Kind so bedeutend erschienen wie der Große Wagen am Himmel. Ich schaute meinem Vater zu, wie er sorgfältig überprüfte, ob auch ja alles an seinem Platz war, und über ein Bonbonpapier auf dem Boden schimpfte.

Ich stellte fest, dass sie ohne mich leben konnten, dass ihre Handlungsweisen routiniert waren, ihre Laune immer gleich. Ich betrachtete ihre Kleinlichkeiten, ihre Lieblosigkeit. Ich dachte, wenn ich nur lang genug in meinem Baum versteckt bliebe, vielleicht bis nach Einbruch der Dunkelheit, aber nicht länger, denn ich vergaß jedes Mal Essen mitzunehmen, dass sie sich doch Sorgen machen, dass sie mich suchen und nicht finden würden und dass sie in ihrer Angst ihre Liebe für mich entdecken würden. Und so auch sogar die Liebe zu sich selbst.

Ich wartete stundenlang und erzählte mir dabei schöne Geschichten, bei denen der Ritter immer so tat, als sei er verletzt, damit ich ihn küsste. Ich tat alles, um schneller groß zu werden und mit ihm gehen zu können und um weit fort in einem Schloss oben auf einem unheimlichen und von Nebelschwaden umgebenen Berg zu leben. Es waren schöne Liebesgeschichten wie die, die mir meine Mutter abends vorlas, und ich konzentrierte mich sehr, um noch daran zu denken und zu glauben, auch wenn die Geschichte aufhörte. Ich lies Tränen in meine Augen steigen, schloss dann meine Lider halb und sah durch meine Tränen farbige Punkte: Das Leben tanzte darin wie in einem schönen Märchen.

So verträumt saß ich oft auf meinem Ast, und jedes Mal befahl mir meine Mutter mit autoritärer und liebevoller Stimme, runterzukommen und meine Hausaufgaben zu machen oder mein Zimmer aufzuräumen. Was ich sofort tat, ohne sie warten zu lassen, um sie nicht zu verletzen.

Eines Tages hat mein Vater den Ast abgesägt. Katia Bourdarel