Bruno SERRALONGUE  
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  Manifestation du collectif des Sans-Papiers de la Maison des Ensembles, place du Châtelet
2001-2003 - 32,5 x 39,5 cm - photographi
courtesy of FMAC Paris et FRAC Nord Pas de Calais, Dunkerque
   
       
   

Die Demonstranten der Maison des Ensembles

Das letzte Foto, das ich von der wöchentlichen Demonstration der sans-papiers (Personen ohne gültige Papiere) der Maison des Ensembles aufgenommen habe, stammt vom 11. Januar 2003. Danach war ich samstags nicht mehr regelmäßig genug in Paris, um vom Beharren dieser Gruppe von ungefähr vierzig Leuten, die das Recht einforderten, legal in Frankreich leben zu können, zu berichten. Ich habe aufgehört Aufnahmen zu machen, mit denen ich am 8. September 2001 begonnen hatte, aber ihre Geschichte aus der Ferne weiterverfolgt. Zum Beispiel habe ich in einer Reportage auf France 2 über die Zunahme von Zeitarbeit einen der Demonstranten wieder gesehen, der dabei gefilmt wurde, wie er eine Zeitarbeitsagentur betrat. Super, habe ich mir gesagt, endlich (nach 4 Jahren Protest) hat er seine Papiere. Ein Artikel in der Zeitung L'Humanité vom 24. Juni 2003 mit dem Titel "La Maison des Ensembles von der Polizei geräumt" hat mich allerdings daran erinnert, dass für sie definitiv noch nichts geregelt war. Der Journalist Jacques Cortie schreibt in seinem Artikel, dass die Räumung dieses Zentrums des Kampfs der sans-papiers und der Menschen, die in Ungewissheit leben, bei Tagesanbruch begonnen habe. Alle Zufahrtsstraßen zum Haus seien gesperrt worden. Im Ganzen seien sieben Polizeiautos, darunter vier Busse, so positioniert worden, dass der Zugang zur Rue Aligre von der Rue de Charenton, der Rue Malot, der Rue De Cotte und vom Marktplatz aus versperrt war. Um 6 Uhr begannen die Ordnungskräfte mit der Räumaktion. Mamadou Traoré, 38 Jahre alter Malier und Sprecher des Collectif automne des sans-papiers berichtet: "Wir waren ungefähr zweihundert Personen in einem Raum. Die Polizei brach die Türen auf und rief: ‚Alle Mann nach draußen!' Einige wurden gestoßen, nur sehr wenige hatten Zeit, ihre Sachen zusammenzupacken. Seitdem blockieren Fahrzeuge und Polizeikräfte alle Zugänge." "Wir sind wie Schafe", sagt ein Betroffener, "ich habe meine Antragsunterlagen da drinnen. Wie kriege ich die wieder?"

"Vor dem Polizeibus an der Ecke Rue Charenton", berichtet Jacques Cortie weiter, "wo die Vertriebenen und ihre Unterstützer sich versammelt haben, herrscht totales Unverständnis: Die Räumungsaktion wurde nicht von Personenkontrollen begleitet, und niemand wurde abgeführt. ‚Sie wollen das Zentrum unseres Kampfes, für den das Haus steht, zerschlagen', sagt Larbi Fertani, einer der Vertreter des Collectif. Um sie herum und auf dem Bürgersteig an der Ecke beim Café PMU Le Rössli sitzen ungefähr 30 Menschen. Ziemlich verzweifelt. Einige konnten aus dem Haus eine Plastiktüte oder einen Koffer mit ihren Habseligkeiten retten. Doch was nun und wohin?"

Und dann nichts mehr, bis zum 23. Oktober 2003, als ich auf der Website Indymedia Paris erfahre, dass nach der Räumung der Rue d'Aligre das Collectif ein leer stehendes Gebäude in der Rue des Couronnes besetzt hatte, das am Morgen erneut von der Polizei geräumt worden war. An diesem Tag waren dort von der Maison des Ensembles noch 14 Personen ohne Papiere. Sie wurden festgenommen. Ich lese ihre Namen: Ibrahima DIARRA, Ntigui DIARRA, Tombé SAMASSA, Chekhné DOUMBOUYA, Chekhna BAKAYOKO, Mody TOUNKARA, Thierno DIAWARA, Moriba TRAORE, Boubou BANE, Samba Mamadou BA, Bouyagui CAMARA, Souleyman KEITA, Ansouman KONATE, Damien STELLA.

Am 24. Oktober war um 18 Uhr 33 auf Indymedia Paris zu lesen, dass sechs von ihnen von einem Richter wegen ungültigen Verfahrens entlassen, zwei weiterhin in Vincennes festgehalten wurden und eine freiwillig in sein Heimatland zurückkehrt. Die anderen mussten am 25. Oktober vor den Richter treten. Am 27. Oktober, um 21 Uhr 56 kam die Nachricht auf Indymedia, dass die restlichen fünf aus denselben Gründen wieder freigelassen wurden: Das Verfahren war unzulässig. Das Innenministerium will Berufung einlegen. Erst am nächsten Tag sollte das Verwaltungsgericht entscheiden, ob die Anordnung des Präfekten, die Personen des Landes zu verweisen, bestehen bleibt oder nicht.

Seither, keine Meldungen mehr.