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Die
Demonstranten der Maison des Ensembles
Das
letzte Foto, das ich von der wöchentlichen Demonstration der sans-papiers
(Personen ohne gültige Papiere) der Maison des Ensembles aufgenommen habe,
stammt vom 11. Januar 2003. Danach war ich samstags nicht mehr regelmäßig
genug in Paris, um vom Beharren dieser Gruppe von ungefähr vierzig Leuten,
die das Recht einforderten, legal in Frankreich leben zu können, zu berichten.
Ich habe aufgehört Aufnahmen zu machen, mit denen ich am 8. September
2001 begonnen hatte, aber ihre Geschichte aus der Ferne weiterverfolgt.
Zum Beispiel habe ich in einer Reportage auf France 2 über die Zunahme
von Zeitarbeit einen der Demonstranten wieder gesehen, der dabei gefilmt
wurde, wie er eine Zeitarbeitsagentur betrat. Super, habe ich mir gesagt,
endlich (nach 4 Jahren Protest) hat er seine Papiere. Ein Artikel in der
Zeitung L'Humanité vom 24. Juni 2003 mit dem Titel "La Maison des Ensembles
von der Polizei geräumt" hat mich allerdings daran erinnert, dass für
sie definitiv noch nichts geregelt war. Der Journalist Jacques Cortie
schreibt in seinem Artikel, dass die Räumung dieses Zentrums des Kampfs
der sans-papiers und der Menschen, die in Ungewissheit leben, bei Tagesanbruch
begonnen habe. Alle Zufahrtsstraßen zum Haus seien gesperrt worden. Im
Ganzen seien sieben Polizeiautos, darunter vier Busse, so positioniert
worden, dass der Zugang zur Rue Aligre von der Rue de Charenton, der Rue
Malot, der Rue De Cotte und vom Marktplatz aus versperrt war. Um 6 Uhr
begannen die Ordnungskräfte mit der Räumaktion. Mamadou Traoré, 38 Jahre
alter Malier und Sprecher des Collectif automne des sans-papiers berichtet:
"Wir waren ungefähr zweihundert Personen in einem Raum. Die Polizei brach
die Türen auf und rief: ‚Alle Mann nach draußen!' Einige wurden gestoßen,
nur sehr wenige hatten Zeit, ihre Sachen zusammenzupacken. Seitdem blockieren
Fahrzeuge und Polizeikräfte alle Zugänge." "Wir sind wie Schafe", sagt
ein Betroffener, "ich habe meine Antragsunterlagen da drinnen. Wie kriege
ich die wieder?"
"Vor
dem Polizeibus an der Ecke Rue Charenton", berichtet Jacques Cortie weiter,
"wo die Vertriebenen und ihre Unterstützer sich versammelt haben, herrscht
totales Unverständnis: Die Räumungsaktion wurde nicht von Personenkontrollen
begleitet, und niemand wurde abgeführt. ‚Sie wollen das Zentrum unseres
Kampfes, für den das Haus steht, zerschlagen', sagt Larbi Fertani, einer
der Vertreter des Collectif. Um sie herum und auf dem Bürgersteig an der
Ecke beim Café PMU Le Rössli sitzen ungefähr 30 Menschen. Ziemlich verzweifelt.
Einige konnten aus dem Haus eine Plastiktüte oder einen Koffer mit ihren
Habseligkeiten retten. Doch was nun und wohin?"
Und dann nichts mehr, bis zum 23. Oktober 2003, als ich auf der Website
Indymedia Paris erfahre, dass nach der Räumung der Rue d'Aligre das Collectif
ein leer stehendes Gebäude in der Rue des Couronnes besetzt hatte, das
am Morgen erneut von der Polizei geräumt worden war. An diesem Tag waren
dort von der Maison des Ensembles noch 14 Personen ohne Papiere. Sie wurden
festgenommen. Ich lese ihre Namen: Ibrahima DIARRA, Ntigui DIARRA, Tombé
SAMASSA, Chekhné DOUMBOUYA, Chekhna BAKAYOKO, Mody TOUNKARA, Thierno DIAWARA,
Moriba TRAORE, Boubou BANE, Samba Mamadou BA, Bouyagui CAMARA, Souleyman
KEITA, Ansouman KONATE, Damien STELLA.
Am
24. Oktober war um 18 Uhr 33 auf Indymedia Paris zu lesen, dass sechs
von ihnen von einem Richter wegen ungültigen Verfahrens entlassen, zwei
weiterhin in Vincennes festgehalten wurden und eine freiwillig in sein
Heimatland zurückkehrt. Die anderen mussten am 25. Oktober vor den Richter
treten. Am 27. Oktober, um 21 Uhr 56 kam die Nachricht auf Indymedia,
dass die restlichen fünf aus denselben Gründen wieder freigelassen wurden:
Das Verfahren war unzulässig. Das Innenministerium will Berufung einlegen.
Erst am nächsten Tag sollte das Verwaltungsgericht entscheiden, ob die
Anordnung des Präfekten, die Personen des Landes zu verweisen, bestehen
bleibt oder nicht.
Seither,
keine Meldungen mehr.
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